Faszination heimische Gehölze


Wer sich mit unserer Kulturlandschaft beschäftigt, ...
bleibt zwangsläufig an unseren heimischen Bäumen und Sträuchern hängen.
Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Vor allem unsere heimischen Sträucher können dichte und dornige Bestände bilden in Form von Hecken, Waldrändern und Gebüschen.
Bäume begleiten uns schon seit Urzeiten. Wir wissen viel über sie, haben aber auch so manches wieder vergessen oder verdrängt. Hecken gehören seit der Steinzeit zu unserem Landschaftsbild und haben wie die Bäume faszinierende Spuren in unserer Geschichte und unserem Brauchtum hinterlassen. Schon die Namen lassen auf bestimmte Eigenschaften oder das Erscheinungsbild schließen. Im Jahr der heimischen Arten stellen wir Ihnen eine kleine Auswahl an heimischen Baum- und Straucharten vor.
Wussten Sie, dass der Zuckergehalt der Schlehenbeeren ähnlich hoch ist wie der eines Apfels, obwohl sie so sauer schmecken, dass es uns die Zähne stumpf werden lässt? Diese und andere spannende Geschichten erfahren Sie auf in den nachfolgenden Texte und auf unserer zweiten Exkursion am 26. September.
Die Birke (Betula pendula)
Die Birke (Betula pendula)
Frühlingsbaum, Hängebirke, Maibaum, Nierenbaum, Sandbirke, Weißbirke
Die Birke gilt als Symbol des Frühlingserwachens und der Wiedergeburt, da sie als einer der ersten Baumarten nach dem Winter Blätter treibt. Daher kommt der Name Maibaum.
Rolle im Ökosystem: Die Birke ist neben der Kiefer und der Weide die wichtigste Pionierbaumart, die Brach-, Ödland und Kahlschläge besiedelt. Sie zählt zu den winterhärtesten Bäumen überhaupt und lebt gern mit dem weithin sichtbaren Fliegenpilz in Symbiose.
Verwendung: Nutzungen der Birke waren mannigfaltig. Aus dem zähen, elastischen Holz wurden Werkzeug- und Bauteile angefertigt. Im zweiten Weltkrieg musste das Holz für leichte Flugzeugbauteile wie zum Beispiel Propeller herhalten, was der Birke den Namen „Fliegerbirke“ einbrachte. Mit dem Birkenteer in der Rinde wurde geklebt und abgedichtet, auf Birkenrinde geschrieben und aus dem Reisig Besen hergestellt. Birkensaft oder auch Birkenwasser eignet sich für Frühjahrskuren bei Gicht, Rheuma und Erkrankungen der Harnwege.
Höhe: 15- 20 m, gelegentlich noch höher
Blüte/Früchte: Windbestäuber, männliche Kätzchen bilden sehr kleine Pollen in Massen, allergieauslösend, die weiblichen Kätzchen reifen ab August/ September zu kleinen Nüsschen heran
Blätter: Dreieckig/ eiförmig etwa 4-7cm lang, 3 cm breit
Rinde: Weiße Spiegelrinde, glatt und schälend mit schwarzen Längsrissen
Alter: eher kurzlebig, 90-120 Jahre
Holz: Hart aber auch flexibel, leicht
Die Buche (Fagus sylvatica)
Die Buche (Fagus sylvatica)
Rotbuche, Schwedenbaum, Baumbuche, Kriegsbuche, Buchenbaum
Der Name Buche hat seinen Ursprung im germanischen Sprachraum und ist eng mit dem Baum selbst verbunden. Das Wort Buche leitet sich vom germanischen Wort Bōkō ab, das Buche bedeutet.
Die Buche und die Bücher: Das erste germanische Runenalphabet wurde in Buchenholz-Stäbe geritzt. Und es wird angenommen, dass Gutenbergs erste Buchstaben für seine Buchdruckkunst aus Buchenholz waren.
Ökologische Bedeutung: Die Buche wird auch Mutter des Waldes genannt. Ihre große Stärke ist die hohe Schattenverträglichkeit. Im Frühjahr blüht in Buchenwäldern eine üppige Bodenvegetation aus Frühlingsgeophyten wie Buschwindröschen, Lungenkraut oder Primeln. Die Buche benötigt einerseits viel Wasser, kann aber auch viel Wasser speichern. Die Bucheckern dienen zahlreichen Nagetieren, Vögeln und Wildtieren als Nahrung.
Verwendung: Die Buche ist eine der wichtigsten Wirtschaftsbaumarten. Das Holz der Buche ist fest und gleichzeitig biegsam. Den Weg in die Möbelindustrie fand die Buche durch den Tischlermeister Michael Thonet, der mit einem patentierten Verfahren Buchenholz zu Möbeln, wie den bekannten Wienerstuhl Nr. 14, formte.
Höhe: Bis zu 45 m, einer unserer größten heimischen Laubbäume
Blüte/Früchte: Männliche (herabhängende 3 – 5 cm lange Büschel) und weibliche (vierzipfelige Fruchtbecher) Blüten reifen ab September zu Bucheckern heran
Blätter: Eiförmig, welliger im jungen Stadium behaarter Blattrand, etwa 5-10 cm lang, 2,7 cm breit
Rinde: Bleigrau, glatt
Alter: Bis 300 Jahre
Holz: Hart, schwer
Die Eibe (Taxus baccata)
Die Eibe (Taxus baccata)
Baum des Todes, Stahl der europäischen Baumarten, Ewigkeitsbaum, Kriegsbaum
Die Eibe ist ein Kuriosum unter den Nadelbäumen. Sie ist zweihäusig, es gibt also Männlein und Weiblein. Sie bildet weder Harz noch Zapfen sondern Scheinbeeren, deren Fruchtmantel als einziger Pflanzenteil ungiftig, ja sogar essbar ist. Alles andere an diesem Baum ist stark giftig, weshalb er auch als Baum des Todes bezeichnet wird.
ÖkologischeBedeutung: Eiben wachsen mehrstämmig, weshalb ihr Alter manchmal schwer zu bestimmen ist. Die dadurch entstehende dichte Struktur bietet vielen Vögeln und Kleinsäugern Unterschlupf. Sie dienen zudem als Nahrungsquelle, da die Giftstoffe in den Scheinbeeren den Tieren nichts anhaben können. Eiben in größeren Beständen sind heute selten.
Interessantes: Die Eibe wird auch „Stahl der europäischen Baumarten“ genannt. Zwei der ältesten Waffen (150.000 und 90.000 Jahre alt), die bisher gefunden wurden, sind aus Eibenholz. Da das Holz sehr elastisch ist, eignet es sich besonders gut für Armbrüste und Bögen. Heute ist das Holz vor allem für den Möbelbau, Drechslerarbeiten und die Herstellung von Musikinstrumenten gefragt. Durch die hohe Ausschlagkraft wird die Eibe bis heute zu dichten Hecken und Formgehölzen getrimmt.
Höhe: 5-20 m, wächst sehr langsam 1-3 cm im Jahr
Blüte/Früchte: Männliche Blüten produzieren reichlich gelben Pollen, (auch Schwefelregen genannt), weibliche Blüten (grün und vereinzelt) reifen zu roten Scheinbeeren mit braunem Samen
Nadeln: Weich, dunkelgrün mit hellgrüner Unterseite; 2-3 cm lang, dichte Struktur
Rinde: Rötlichbraun, und glatt und graubraun, schuppig
Alter: 500 – 800 Jahre
Holz: Zäh, elastisch, hart
Die Hainbuche oder bairisch Hogelbuacha (Carpinus betulus)

Die Hainbuche oder bairisch Hogelbuacha (Carpinus betulus)
Weißbuche, Hartzbuche, Märchenbuche, Eisenholz, Dreschflegelbuche, Hagebuche
Die Hainbuche gehört zu den sogenannten Haghölzern, die man zusammen mit Brombeere, Weißdorn und Rosen als dichte, dornige Dickichte auch Landwehre genannt, wachsen ließ. Hainbuchenholz ist sehr zäh und fest.
Von dem Namen Hainbuche rührt auch der Begriff Hanebüchen her, der für alles Derbe, Grobe, Feste und Unerhörte gebraucht wird.
Ökologische Bedeutung: Die Hainbuche ist ein „bescheidener“ Baum, der auf vielen Standorten zurechtkommt. Sie gehört zu den sogenannten Winterstehern, die Laub und Früchte lange am Baum behalten.
Das hohe Ausschlagvermögen der Hainbuche macht diese Baumart zur wichtigsten Heckenpflanze in unseren Gärten und öffentlichen Anlagen.
Interessantes: Früher war Eisen für die meisten Menschen nicht bezahlbar. Statt dem wurde Hainbuchenholz verwendet. Die Härte des Holzes machte die Hainbuche für die Herstellung von stark beanspruchten Gegenständen, wie Rammböcke, Hackklötze, Schusterleisten oder Klavierhämmer interessant.
Höhe: Ca. 20 m
Blüte/Früchte: Männliche (lange, gelbe Kätzchen) und weibliche (kleine, grüne Kätzchen) Blüten reifen ab September zu Nüsschen heran, fruchtet jährlich und reichlich
Blätter: Eiförmig/ oval, 4-10 cm lang und 3-5 cm breit
Rinde: Grau bis dunkelbraun, glatt bis wellig mit langen horizontalen Streifen
Blütezeit: Mai/ Juni
Alter: Bis zu 100 Jahre
Holz: Fest, schwer mit einem Gewicht von 800 kg/m³, hart, der Stamm ist oft gedreht mit Wülsten, die spiralig um den Stamm laufen. Der Förster nennt das spannrückig
Die Linden (Winterlinde- Tilia cordata und Sommerlinde- Tilia platyphyllos)

Die Linden (Winterlinde- Tilia cordata und Sommerlinde- Tilia platyphyllos)
Dorflinde, Tanzlinde, Gerichtslinde, Prangerlinde, Streitlinde, Baum des Volkes und der Heimat, Herzbaum, Marienlinde
Der Name der Linde stammt vom nordgermanischen Linda (=Binde) ab und bezieht sich auf die historische Verwendung des Lindenbastes, der für Binde- und Flechtarbeiten genutzt wurde. Keine andere Art steht dem Menschen näher als die Linde. In ihnen wurde getanzt und unter ihnen Recht gesprochen. Er gilt deshalb als Baum des Volkes und der Heimat.
Ökologische Bedeutung: In Bezug auf das Wachstum sagt man über die Linde: „300 Jahre kommt sie, 300 Jahr steht sie, 300 Jahre vergeht sie“. Das hohe Ausschlagvermögen aus dem Stock sorgt dafür, dass Linden noch lange Lebensraum für viele Arten bieten können, auch wenn sie schon längst umgefallen sind oder gefällt wurden. Sie verjüngen sich von innen heraus über sogenannte Adventiv- oder Innenwurzeln.
Interessantes: Das Blatt, die Krone und das Wurzelsystem der Linden ist herzförmig ausgebildet. Anhand dieser Merkmale lassen sich Linden leicht bestimmen. Das weiche Holz gilt als Schnitzerholz, aus dem vor allem Kirchenfiguren hergestellt wurden. Das Holz bezeichnete man deshalb auch als Heiligenholz. Zudem wurden viele Linden als Marienlinden verehrt.
Höhe: Bis zu 35 m
Blüte/ Frucht: Gelblich-weiße Blüten reifen im September zu graufilzigen Nussfrüchte,
bei der Winterlinde mit den Fingern zerdrückbar, bei der Sommerlinde nicht zerdrückbar und mit 2 bis 5 Rippen versehen
Blätter: Herzförmig, wechselständig angeordnet,
Winterlinde: Blätter derb, mittelgroß und rostbraun Behaarung
Sommerlinde: Blätter groß, weich und mit weißer Behaarung
Rinde: Braun bis grau mit Rissen und Furchen
Blütezeit: Juni, Bestäubung hauptsächlich durch Bienen
Alter: Bis zu 1000 Jahre
Holz: Weich, elastisch und zäh.
Die Stieleiche (Quercus robur)
Die Stieleiche (Quercus robur)
Ewigkeitsbaum, Ach’n, Ache, Ecke, Eckelboom, Haseleiche, Wintereiche, Baum des Vaterlandes, Baum der Wahrheit

Die Eiche steht für Standhaftigkeit, Tugend, Wahrheit und Loyalität. Sie war schon immer der sogenannten Obrigkeit zugeordnet. Noch heute ziert Eichenlaub verschiedenen Uniformelemente und Rangabzeichen der Bundeswehr und unsere Cent-Münzen. Deswegen gilt die Eiche als Baum des Vaterlandes.
Ökologische Bedeutung: Es gibt kaum eine andere Baumart, die mit so vielen Tierarten, Flechten und Pilzen verbunden ist wie die Eiche, was sich in manchem Namen wie Eichelhäher, Eichhörnchen, Eichenbock oder Eichenmoosflechte widerspiegelt. Besonders im sich zersetzenden Holz leben einige seltene Spezialisten wie der Hirschkäfer oder der Eremit. Weitere heimische Arten sind die Traubeneiche und die Flaumeiche.
Interessantes: Eichenholz ist bis heute ein gefragtes Holz für den Außen- und Innenausbau oder Mobiliar. Im Schiff- und Wasserbau ist die Widerstandsfähigkeit gegen Nässe ausschlaggebend für den Verbau des Holzes. Eichenpfähle tragen Teile ganzer Städte wie Venedig oder Amsterdam. Zudem reifen gute Weine, Brände und Whiskys fast nur in Eichenfässern zu ihrer feinen Qualität aus.
Höhe: Bis zu 40 m
Blüte/ Früchte: Männliche (bis 6 cm lange, gelbe Kätzchen) und weibliche (weißlich bis grüne Büschel), reifen im September zu Eicheln in einem Becher (Cupula) mit langem Stiel (Stieleiche)
Blätter: Trichterförmig in 5 bis 6 Buchten gelappt, ca. 10-15 cm lang, kurzer Blattstiel
Rinde: Graubraun bis dunkelbraun, dick und tief gefurcht
Alter: Bis 800 Jahre, ggf. noch älter
Holz: Stabil, hart
Die Waldkiefer (Pinus sylvestris)

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris)
Föhre, Weißkiefer, Forchen, Tangel- und Mädelbaum, Hohlenbaum, Hassek
Der botanische Name Pinus leitet sich von dem Wort Pinum ab, mit dem man spitze Gegenstände bezeichnete. Bei der Kiefer bezieht er sich auf die spitzen Nadeln. Erst im 15. Jahrhundert kam der Name Kiefer auf - zunächst als Kienfore zusammengesetzt aus Kien von Kienspan und Fore bzw. Föhre, dem allgemeinen Ausdruck für Nadelbaum.
Ökologische Bedeutung: Die Kieferngewächse sind die größte Nadelbaumfamilie der Erde. Die Waldkiefer hat von allen heimischen Baumarten das größte Verbreitungsgebiet. Sie ist sehr genügsam und neben der Birke die wichtigste Pionierbaumart auf Rohböden. Wird sie in Reinbeständen auf ungünstigen Standorten angebaut, ist sie zahlreichen Schädigungen durch Insekten- und Pilzbefall ausgesetzt, zum Beispiel durch Borkenkäfer, Foreule oder Kiefernschütte.
Interessantes: Historisch wurde vor allem der Harz der Kiefer genutzt. 1,5 bis 4 Kilogramm wurden pro Baum und Jahr aufgefangen und weiterverarbeitet zu Lacken, Schmiere, Terpentinöl und Holzteer (Pech). Kienspäne waren die wichtigste Lichtquelle und wurde noch bis ins 20. Jahrhundert verwendet. Heute wird das Holz zu Möbeln verarbeitet oder für den Innenausbau oder Verschalungen genutzt.
Höhe: Bis 35 m
Blüte/ Zapfen: Gelb (männlich) bzw. rot (weiblich) gefärbte Blüten reifen nach zwei Jahren zu rundlichen Zapfen mit weit geöffneten Schuppen
Nadeln: Bis 8 cm lang, graugrün bis blau/ grün und kurz zugespitzt, in Zweierbündeln
Rinde: Rötlich-braun mit tiefen, schuppigen Rissen
Blütezeit: Mai/ Juni
Alter: Durchschnittlich 200-300 Jahre, bis 600 Jahre möglich
Holz: Weich, dicht mit deutlicher Jahrringstruktur
Die Weiden, bairisch Palmkatzl (Salix caprea)
Die Weiden, bairisch Palmkatzl (Salix caprea)
Kätzchenbaum, Palmweide, Maiholz, Wieselbaum, Bachweide
Bei Weiden ist eine Abgrenzung einzelner Arten kaum möglich, weil sie sich durch Kreuzung stark miteinander vermischen. Der Gattungsname Salix stammt aus dem Keltischen und bedeutet „nahe am Wasser“, was sich auf die bevorzugt feuchten Standorte der Bäume bezieht.
Ökologische Bedeutung: Weiden haben als Pioniergehölze eine wichtige Bedeutung für nachfolgende Bäume, da sie den Rohboden festigen, verbessern und damit gute Startmöglichkeiten für nachfolgende Arten liefern. Sie produzieren sehr viel Biomasse und treiben nach Kahlschlägen und Hochwassern schnell wieder aus. Im Frühjahr sind männlichen Blüten der wichtigste Pollenspender für Wildbienen.
Interessantes: Tee aus Weidenrinde wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd und entzündungshemmend. Früher wurde der Tee das Heilmittel bei Malaria verabreicht, aber auch bei Rheuma und Gicht angewendet. Das Glykosid Salicin aus der Weidenrinde oxidiert im Körper zu Salizylsäure, dem eigentlichen Wirkstoff. Dieser wird heute synthetisch hergestellt und zum bekanntesten Schmerzmittel der Welt Aspirin verarbeitet.
Die behaarten Samen der Weiden und Pappeln dienten der ärmeren Bevölkerung als Füllung von Kissen und Decken.
Höhe: Ca. 2 - 10 m
Der kleinste Baum der Welt ist die Krautweide Salix herbaceae. Ihr Stamm wächst kriechend unter der Erde.
Blüte/ Frucht: Zweihäusig, männliche (1,5 - 2 cm lange Kätzchen), weibliche Blüten (2 cm langen Kätzchen) reifen ab Ende Mai zu Kapselfrüchten mit behaarten Samen heran
Blätter: 2-5 cm lang, schmal und spitz
Rinde: Braun bis grau bis grünlichgelb, glänzend, glatt
Blütezeit: März/ April
Alter: Bis zu 300 Jahre
Holz: Leicht, weich und biegsam
Die Berberitze (Berberis vulgaris)

Die Berberitze (Berberis vulgaris)
Dreidorn, Essigbeere, Hasenbrot, Kuckucksbrot, Zitronenbeere, Sauerdorn
Die Berberitze könnte man auch Gelbholz oder Gelbstrauch nennen. Die Blüte und das Holz unter der grauen Rinde sind leuchtend gelb. Die Früchte schmecken sehr sauer, was der Berberitze, neben Zitronenbeere, Namen wie Essigbeere und Sauerdorn eingebracht hat.
ÖkologischeBedeutung: Berberitzen sind im Frühjahr wichtige Bienenweiden, insbesondere für Hummeln. Aber auch Hornissen nutzen sie als Nektarquelle. Die dichten, stacheligen Sträucher stellen ein ideales Brutgehölz für Vögel dar. Das dichte Zweigwerk schützt vor Wind und die Dornen vor Eindringlingen. Im Herbst locken die Früchte zahlreiche Vogelarten an.
Interessantes: Alle Pflanzenteile bis auf die Beeren sind giftig. Besonders die Wurzelrinde enthält einen ungewöhnlich hohen Anteil an Giftstoffen. Einer davon ist das sogenannte Berberin, der für die gelbliche Färbung der Wurzeln und des Holzes verantwortlich ist.
Es gab zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für die Pflanzenteile der Berberitze. Der Rinde sprach man eine blutreinigende Wirkung zu. Die Früchte wurden gegen Fieber eingesetzt und eingekochter Saft bei Lungenerkrankungen und Husten verabreicht. In der modernen Medizin hat die Berberitze keine größere Bedeutung mehr.
Höhe: Bis zu 3 m
Blüte/ Frucht: Gelbe, duftende halbkugelige Blüten reifen ab August/ September zu orangen bis dunkelroten Beeren heran
Blätter: 8 – 10 cm lang, dunkelgrün, eiförmig, wechselständig
Rinde: Gelbbraun bis grau mit teils dreiteiligen Dornen
Blütezeit: Mai/ Juni
Alter: ca. 50 Jahre
Die Haselnuss, bairisch Hoslnuss (Corylus avellana)

Die Haselnuss, bairisch Hoslnuss (Corylus avellana)
Hassel, Hexenhasel, Waldhasel
Hasel ist das althochdeutsche Wort für Nuss. Der wissenschaftliche Name Corylus geht auf das griechische Wort Corus zurück, das Maske bedeutet, weil sich die Nuss in einer Hülle verbirgt. Der Artname Avellana bezieht sich auf die antike Stadt Avella am Vesuv. Dort befand sich ein großes Vorkommen bzw. Anbaugebiet von Haselnüssen.
Ökologische Bedeutung: Die Haselnuss bedeckte früher ganz Europa. Die Zeit von 7000 bis 5500 vor Christus wurde auch Haselzeit genannt. Es wird davon ausgegangen, dass die reichlichen Vorkommen an Haselnüssen die Sesshaftigkeit des Menschen mitbegründet haben. Sie wurzelt sehr tief und ist deshalb für die Sicherung von Hängen von großer Bedeutung. Die Nüsse werden von Kleinsäugern, wie dem Eichhörnchen oder der Haselmaus oder von Vögeln, wie dem Kleiber oder dem Eichelhäher verbreitet.
Besonderes: Durch die frühe Blüte leitet die Haselnuss den Frühling ein und steht daher für Fruchtbarkeit und ewige Erneuerung. Die Haselnuss hatte eine tragende Rolle in der Magie. Biegsamen Astgabeln dienten als Wünschelruten, um Wasseradern aufzuspüren. Die Hasel wurde als heiliger Baum verehrt. Deshalb stand früher das Fällen unter Strafe. In der Volksmedizin hat sie allerdings kaum eine Bedeutung.
Höhe: 5 bis 8 m
Blüte/ Frucht: gelbe Kätzchen, circa 8 cm lang (männliche Blüte) und grüne Knospen mit einem roten Büschel (weibliche Blüte) reifen im Herbst zu Nüssen in einer rockähnlichen Fruchthülle (Cupula) heran
Blätter: 3 bis 7 cm lang und 6 bis 10 cm breit, rundlich, eiförmig
Rinde: Braungraue, glatte Rinde
Blütezeit: Februar – April
Alter: 60 bis 80 Jahre
Der Kreuz- oder Purgierdorn (Rhamnus cathartica)

Der Kreuz- oder Purgierdorn (Rhamnus cathartica)
Amselbeere, Färberbeere, Hirschdorn, Schweinsbeere, Tintenbeere
Die Äste des Kreuzdorns stehen sich gegenüber und fast rechtwinklig ab. Von dieser kreuzähnlichen Verzweigung hat die Art ihren Namen. Die meisten Triebe enden in einem Dorn, was sich ebenfalls im Namen wiederfindet. Purgierdorn weist auf die frühere heilkundliche Verwendung als Abführmittel hin. Purgieren aus dem Lateinischen bedeutet abführen.
Ökologische Bedeutung: Die Blüten des Kreuzdorns sind zwar eher unscheinbar, aber sehr nektarreich und damit eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Zahlreiche Schmetterlingsraupen fressen an den Blättern des Kreuzdorns. Die Raupe des Zitronenfalters hat sich ganz auf die Gattung Rhamnus spezialisiert. Der Kreuzdorn bildet, wie die Schlehe, starke Ausläufer und kommt deshalb nur in großen Gärten als Heckenstrauch in Frage.
Besonderes: Volkskundliche Namen wie Färbebaum oder Tintenstrauch erinnern an die früher weitverbreitete Verwendung der Kreuzdornbeeren als Färbemittel. Diese Verwendung war im Mittelalter wichtiger als die Nutzung als Heilpflanze. Die Farbtöne „saftgrün“ und „schüttelgelb“ waren in der Malerei berühmt. Auch Wolle und Leder wurden mit dem Saft der Beeren oder mit Rindenbestandteilen gefärbt.
Höhe: 3 bis 5 m
Blüte/ Frucht: Unscheinbare gelbgrüne Blüten in den Blattachseln, reifen ab Ende August zu schwarzen Beeren heran
Blätter: Länglich-elliptisch mit bogenförmigen Blattnerven und gezähntem Blattrand; Blätter stehen gekreuzt gegenständig
Rinde: Hellgrau bis schwarz, feinrissig und löst sich ab; Ende der Äste mit Dornen besetzt
Blütezeit: Mai/ Juni
Alter: Kann bis 100 Jahre alt werden
Der Liguster (Ligustrum vulgare)

Der Liguster (Ligustrum vulgare)
Rainweide, Beinholz, Tintenbeerstrauch, Tintenbeertraube, Zaunriegel
Der Liguster gehört zu dem Ölbaumgewächsen und ist somit mit der Olive verwandt. Der Name Liguster leitet sich vom lateinischen Wort Ligare ab, welches Binden bedeutet, ein Hinweis auf die frühere Verwendung der Zweige zum Binden und Flechten. Aus den Früchten stellte man Tinte zum Schreiben her, daher der Name Tintenbeerstrauch.
Ökologische Bedeutung: Die Ligusterblüten verströmen vor allem morgens einen intensiven Duft, der vor allem Bienen, aber auch Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge anzieht. Unter ihnen ist eine besondere Art, nämlich der Ligusterschwärmer. Seine Raupe richtet zur Abwehr die vorderen zwei Drittel des Körpers auf und zieht das erste Drittel zu einem dicken "Scheinkopf" zusammen. In dieser Haltung erinnert die Raupe an eine Sphinx, daher der wissenschaftliche Name Sphinx ligustri.
Besonderes: Er ist der einzige Vertreter seiner Gattung in Europa. Alle anderen Arten sind asiatischen Raum beheimatet. Das Holz des Ligusters ist sehr hart. Früher wurde auch der Ausdruck Beinhart verwendet. In einigen Kulturen wird Liguster mit Beständigkeit, Schutz und sogar Unsterblichkeit in Verbindung gebracht, weil er seine Blätter meistens bis weit in den Winter hinein behält.
Höhe: 3 bis 4 m
Blüte/ Frucht: Weiße, duftende Blüten reifen ab Ende August zu schwarzen, glänzenden Beeren mit ca. 5 cm Durchmesser heran
Blätter: Klein, ledrig, dunkelgrün, halten sich bis in den Winter am Strauch
Rinde: Hellgrau, im Alter mit hellen Korkporen (sog. Lentizellen) besetzt
Blütezeit: Mai
Alter: Durchschnittlich 30 Jahre
Das Pfaffenhütchen, bairisch Pfaffenkapperl (Euonymus europaeus)

Das Pfaffenhütchen, bairisch Pfaffenkapperl (Euonymus europaeus)
Spindelstrauch, Bischofsmütze, Hahnenhut, Korallenbaumstaude, Lausbeere, Rotkehlchenbeere
Das Pfaffenhütchen ist vom Verbreitungsgebiet her ein typischer Europäer, wie der wissenschaftlichen Artnamen Europaeus schon sagt. Typisch sind die vier korkigen Längsleisten, die die Triebe viereckig aussehen lassen. Im Herbst fallen die leuchtend karminroten Früchte mit den Samen in orangefarbener Hülle auf, die dem Strauch auch den Namen Korallenbaumstaude eingebracht hat.
Ökologische Bedeutung: Die Samen des Pfaffenhütchens enthalten ein sehr bitteres und giftiges Öl. Trotzdem ernähren sich viele Tierarten davon, vor allem das Rotkelchen und viele weitere Vogelarten. Die Raupen einiger Gespinstmotten fressen die Sträucher im Frühsommer oft komplett kahl. Dieser Kahlfraß führt aber selten zu dauerhaften Schäden. Die Sträucher treiben kurze Zeit später willig wieder aus.
Besonderes: Obwohl das Pfaffenhütchen früher bei diversen Krankheiten verwendet wurde, hat es aufgrund der Giftigkeit in der modernen Medizin keine Bedeutung mehr. Das Holz wurde in der Steinzeit für Spindeln, Orgelpfeifen, Schuhnägel und Stricknadeln verwendet.
Die Samen setzte man, zermahlen zu Pulver, als eine Art Insektizid gegen diverse Schädlinge wie Läuse auf Pflanze, Mensch und Tier ein.
Höhe: 3 bis 6 m
Blüte/ Frucht: Hellgrüne bis grünlich-weiße Blüten, sitzen in Büscheln in den Blattachseln und reifen ab September zu rosaroten Kapseln heran, welche aufspringen, wenn sie reif sind
Blätter: 4 – 6 cm lang, eiförmig bis elliptisch
Rinde: Grün bis graubraun mit vier korkigen Längsstreifen
Blütezeit: Mai/ Juni
Alter: Durchschnittlich 70 Jahre
Die Schlehe (Prunus spinosa)

Die Schlehe (Prunus spinosa)
Kratzdorn, Sauerpflaume, Schwarzdorn, Teufelssäuerling
Die Schlehe wird wegen der dunklen Rinde auch Schwarzdorn genannt. Der Name Schlehe bedeutet bläulich und der wissenschaftliche Artname Spinosa dornig. Somit sind viele Erkennungsmerkmale im Namen der Schlehe manifestiert.
Ökologische Bedeutung: Schlehen kann man als heimischen „Ureinwohner“ unseres Landes bezeichnen. Sie blühen im April leuchtend weiß und sind ein Insektenmagnet. An die 140 Arten, darunter 70 Schmetterlingsarten, suchen die Blüten als Nahrungsquelle auf. Die blauschwarzen Früchte sind mit einem weißen Überzug versehen, der das UV-Licht reflektiert. Dadurch können Vögel die Früchte besser als Nahrung ausmachen. Die Schlehe hat einen sehr starken Ausbreitungsdrang und ist deshalb nur für größere Gärten geeignet.
Besonderes: Die Beeren der Schlehe schmecken sehr herb und sauer. Sie sind so sauer, dass es einem die Zähne stumpf werden lässt. Sie enthalten aber genauso viel Zucker wie ein Apfel. Der hohe Gehalt an Gerbstoffen überlagert die Süße. Deswegen können wir den Zucker nicht schmecken. Mit zunehmender Reife bauen sich die Gerbstoffe ab. Deswegen ist es wichtig, die Früchte vor dem Einmachen am Strauch oder an einem kühlen, frostfreien Ort ausreifen zu lassen. Die Einwirkung von Frost verbessert den Geschmack nicht.
Höhe: 3 bis 4 m
Blüte/ Frucht: Kleine weiße Blüten aus 5 ovalen Kronblättern, reifen ab September zu dunkelblauen, hellbereiften Früchten heran
Blätter: Ca. 4 cm lang, wechselständig
Rinde: Schwarz mit Dornen
Blütezeit: März/ April
Alter: Durchschnittlich 50 Jahre

Christdorn, Heinzelmännerchen, Mehlbeere, Müllerbrot
Der wissenschaftliche Name Crataegus stammt von dem griechischen Wort Krataios ab. Es bedeutet fest und stark. Die Farbe Weiß im Namen bezieht sich nicht auf die weißen Blüten, sondern auf die helle Rinde als Abgrenzung zur Schlehe, die Schwarzdorn genannt wird.
Ökologische Bedeutung: Der Weißdorn bildet undurchdringliche Hecken und wurde deshalb zum Schutz von Siedlungen, für sogenannte Umfriedungen gepflanzt. Zahlreiche Vogelarten brüten im Schutz des dornigen Geästs. Die Blüten riechen eher unangenehm und ziehen dadurch viele Käfer und Fliegen für die Bestäubung an. Für Bienen ist der Weißdorn vor allem eine Pollenquelle.
Besonderes: Der Weißdorn galt bei den Germanen als Hüter des Schlafes. Deswegen soll die Spindel, an der sich Dornröschen sticht, aus Weißdornholz sein. Außerdem steht er in enger Verbindung mit Hochzeiten und Fruchtbarkeit, sowie dem Schutz von Neugeborenen. Deshalb wurden Kinderbetten aus dem Holz des Weißdorns angefertigt, um böse Feen und Geister fernzuhalten. Außerdem handelte es sich hier um einen heiligen Baum, der wie die Hasel nicht gefällt werden durfte.
Der irische Arzt Thomas Green machte um 1850 den Weißdorn als Herztherapeutikum bekannt.
Höhe: 3 bis 8 m
Blüte/ Frucht: weiße Blüten mit einem Blütengriffel reifen ab September zu roten Früchten heran
Blätter: 5- bis 9-lappig und tief eingeschnitten
Rinde: Hellgrau, abblätternd, schuppenförmig mit Dornen
Blütezeit: Mai/ Juni
Alter: Wird sehr alt, bis zu 500 Jahre
































































